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„Feno“ hat uns besucht – eine Madagassin spricht über ihre Heimat …

21.02.2014 22:03 von BG Lustenau

„Feno“ hat uns besucht – eine Madagassin spricht über ihre Heimat …

 

Am Donnerstag vor den Semesterferien hat uns Feno (sprich: Fenu) besucht. Einen ganzen Tag verbrachte die Madagassin im BG-Lustenau und brachte uns ihre Heimat „Madagaskar“ etwas näher.

Feno ist 25 Jahre jung und seit 4 Jahren in Europa. Sie kam als Aupère nach Deutschland und verbrachte dort 2 Jahre. In Deutschland traf sie durch einen Zufall Gebhard Fitz (Obmann des Vereins „Smile4“) - er und seine Frau halfen Feno nach Österreich zu kommen. Hier wohnt sie in Bezau und besucht die dortige Tourismus Schule. Endlich kann sie eine richtige Ausbildung machen!

 

Feno spricht fast perfekt Deutsch und besuchte am BG-Lustenau so manche Klassen. Die Schüler stellten ihr einige Fragen und waren über einige Antworten recht schociert:

 

Warum bist du hier?

Hier in Österreich habe ich die Möglichkeit, eine tolle Ausbildung zu machen. In Madagaskar ist das nicht so einfach.

 

Gibt es in Madagaskar keine Schulen?

Oh – doch! Aber entweder sind sie weit weg, oder kosten viel Geld. Dann ist es auch so, dass es keine speziellen Schulen gibt, wie z. B. die Tourismus Schule, die ich jetzt besuchen kann.

 

Warst du während deiner Zeit in Europa auch wieder einmal in Madagaskar?

Nein – das wäre zu teuer.

 

Du hast deine Eltern nie wieder gesehen?

Doch – sie haben mich letztes Jahr besucht.

 

Was sagen deine Eltern dazu, dass du hier bist? Sind die nicht traurig?

Nein. Natürlich vermissen sie mich und ich sie. Aber sie sind sehr stolz auf mich. So kann ich einmal einen tollen Beruf ausüben.

 

Hast du Geschwister?

Ja – vier. Zwei Schwestern und Zwei Brüder. Eine Schwester wohnt in Paris und eine ist in Deutschland.

 

Wo wohnst du in Madagaskar?

In Antsirabe – ungefähr 2 Stunden südlich von Antananarivo. Antsirabe ist eine größere Stadt in Madagaskar.

 

Was hast du gedacht bzw. gefühlt, als du am ersten Tag in Europa verbracht hast?

Ich hatte Angst. So viel Neues. Vor allem in der Küche. Die Sache mit der Elektrizität ist mir ungeheuer. Ich habe immer noch Angst, dass irgendetwas explodiert – die vielen elektronischen Sachen machen mich nervös.

 

Bist du in Madagaskar auch zur Schule gegangen?

Ja. Ich bin auch ins Gymnasium gegangen. Aber die Matura wird hier nicht anerkannt.

 

Wie sah dein Schulweg aus?

Wir müssen zu Fuß gehen. Meine Schule ist eine Stunde von meinem Elternhaus entfernt. Die Schule beginnt in Madagaskar um 7 Uhr und endet um 18 Uhr. Während der Mittagszeit musste ich wieder nach hause, um dort Mittag zu essen. Eine Kantine gibt es in unseren Schulen nicht. Also bin ich jeden Tag 4 Stunde gelaufen – morgens zur Schule – mittags wieder heim – dann wieder zur Schule und abends wieder heim.

 

Wieviel ward ihr in einer Klasse?

88

 

„88 – nein – hast du uns richtig verstanden! Wir meinten in einer Klasse – halt so wie wir hier jetzt sitzen“ (Schüler aus der 5 A Klasse – sie sind 18 in der Klasse)…

 

Ja, ja – wir haben nur einen großen Raum und dort muss man zu dritt, zu viert in der Bank sitzen…

 

Und ihr ward still?

Ja – natürlich. Wir wollten ja was lernen. Bei uns darf der Lehrer auch schlagen…

 

Schüler: „Äh! Furchtbar!“

 

Wie schaut dein zu hause aus?

Wir haben ein kleines Haus – viereckig mit Flachdach. Wasser gibt es nur aus dem Brunnen. In der Küche ist ein offenes Feuer.

 

Hast du ein eigenes Zimmer?

Nein – wir haben alle 5 in einem Zimmer geschlafen.

 

Was arbeitet dein Vater?

Er ist Beamter und somit haben wir in Madagaskar ein gutes Leben. Ein Beamter verdient regelmäßig sein Geld und in madagassischen Verhältnissen recht viel.

 

Wie viel?

So 50 Euros.

 

Was hast du in Madagaskar am Wochenende gemacht?

Am Samstag mussten wir immer unseren Eltern helfen. Wir haben viel Grund und dadurch viel Gemüseanbau. Die Mädchen müssen auch kochen und Wäsche waschen. Am Sonntag gehen wir immer in die Kirche und am Nachmittag in den Chor.

 

Schüler: „Jetzt verstehe ich, warum man lieber vier Stunden am Tag zur Schule geht…“

 

Was hast du für einen Glauben?

Evangelisch.

 

Geht ihr am Samstag nie in die Disco oder irgendwas trinken?!

Oh – doch. Das gibt es bei uns schon auch. Aber meine Eltern haben das nicht zugelassen.

 

Was magst du für Musik?

Alles – nur kein Heavy Metal.

 

Gehst du wieder nach Madagaskar zurück?

Ich weiß es nicht – ich möchte nach der Matura auch noch gerne Studieren.

 

Warum magst du so gerne lernen?

Weil ich dadurch eine bessere Zukunft habe – vor allem in Madagaskar. Wenn ich doch wieder zurückkehre, dann steht mir die Tür bei der Berufswahl offen. Ich kann Sprachen, ich lerne viel in der Tourismusschule – das fehlt anderen in Madagaskar.

 

Habt ihr auch Kleidung in Madagaskar?

Ja, ja – Feno lacht – wir rennen nicht nackt herum. In den Dörfern am Land schaut das Leben natürlich anders aus, aber in der Stadt haben wir die gleiche Kleidung wie ihr: Jeans, T-Shirts, Blusen…

 

Gibt es auch Zahnbürsten in Madagaskar?

Auch wir putzen die Zähne – Feno lacht wieder…

 

Mit wie viel Jahren bekommt man in Madagaskar Kinder?

Oh – das hängt ganz davon ab, was man macht. Es ist wahrscheinlich so wie hier. Manchmal gibt es einen Unfall und man wird schon sehr früh Mutter und sonst so ab 20.

 

Hast du einen Mann?

Nein – noch nicht…

 

Neben vielen Antworten hat Feno auch gesungen und getanzt. Mit den zweiten Klassen studierte sie ein Madagassisches Lied ein, mit der 1 B Klasse einen Tanz. Zu sehen ist das ganze am 10. April – am Thementag!

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